„Wer Suchalgorithmen kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Wissen der Welt, zu unserer Geschichte und wie sie erinnert wird, …“

3. October 2025

Die bekannte Digital-Expertin, Publizistin und ehemalige Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg, die in der DDR aufgewachsen ist, unterstützt die #FreeWebSearch-Charta als Erstunterzeichnerin. Hier erklärt sie, warum ihr das Thema der gemeinwohlorientierten Websuche so wichtig ist.

„Ich wuchs in der DDR auf, wo der Zugang zu Wissen, Fakten und Wahrheit zensiert war und der Manipulation der Bevölkerung diente. Damals konnte man wenigstens noch über das Westfernsehen den Zugang zu Wissen erweitern. Heute dominieren eine Handvoll US-Milliardäre, die sich immer weniger demokratischen Werten verpflichtet sehen, die soziale Infrastruktur der digitalen Gesellschaft, von der Suche bis zu sozialen Netzen. Sie machen sich zum Werkzeug von Demokratiefeinden mit faschistischen Zielen und nutzen die von ihnen kontrollierten Technologien und Plattformen zunehmend für die massenhafte Manipulation der Nutzerinnen und Nutzer. Bei dieser Manipulation spielt die Suche nach Informationen eine herausragende Rolle – sie ist die Schaltstelle für den Zugang zu Wissen und Wissen ist Macht, mehr denn je in einer durch und durch digitalisierten Gesellschaft.

Wer Suchalgorithmen kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Wissen der Welt, zu unserer Geschichte und wie sie erinnert wird, zu Geschehnissen der Gegenwart und wie sie wahrgenommen und dokumentiert werden, zu Forschungsergebnissen und welche davon in weitere Forschungen einfließen, zu Äußerungen von Politikern und ihren jeweiligen Kontext und damit ihre Sichtbarkeit, Wählbarkeit und Relevanz. Wer Suchalgorithmen kontrolliert, kontrolliert die Wahrnehmung der Realität und kann sie so manipulieren, dass die gefühlte und die tatsächliche Realität immer weiter auseinander driften und so Menschen zu Positionen manipuliert werden, die sie sonst gar nicht vertreten würden.

Die Kombination der Schaltstelle „Suche“ mit der Verbreitung von Inhalten über ebenfalls manipulierte Algorithmen sozialer Netze sowie mit dem Einsatz von KI zur intransparenten Erstellung von Zusammenfassungen, gefährdet unsere Demokratie, deren Bestand wesentlich vom freien Zugang zu vielfältigen Informationen abhängt. So braucht z.B. Pressefreiheit längst mehr, als nur ohne Zensur veröffentlichen zu können, weil Pressefreiheit in einer digitalen Gesellschaft nur dann real ist, wenn Presseinhalte auch auffindbar sind. Denn was die Internetsuche nicht findet, existiert in der digitalen Realität gar nicht, kann also auch gar keine Wirkung mehr entfalten. Pressefreiheit braucht deshalb zwingend auch die Freiheit der Suche.

Die soziale Infrastruktur des Internets muss endlich als Daseinsvorsorge begriffen und deshalb gemeinwohlorientiert organisiert oder mindestens im Sinne des Gemeinwohls reguliert, statt von Einzelnen kontrolliert zu werden. Die 10 Forderungen der Free Web Search Charta sind dafür eine geeignete Richtschnur.“

Anke Domscheit-Berg
Senior Digital Expert + Advisor, ehem. MdB

Anke Domscheit-Berg
Senior Digital Expert + Advisor, ehem. MdB

Informationen zur #FreeWebSearch Charter

Wer entscheidet, was Milliarden von Menschen im Internet finden – und was nicht? Diese Machtfrage stellt die #FreeWebSearch-Charta, die unter der Initiative der Open Search Foundation ein europäisches Bündnis aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Medien veröffentlicht hat. Mit zehn klaren Prinzipien will die Initiative die Kontrolle über die Websuche zurück in die Hände der Gesellschaft legen.